Lusitano-Pferde im FahrsportLusitano-Pferde im Fahrsport

Cavalo Lusitano Switzerland (CLS) im Gespräch mit Ehrenmitglied Werner Ulrich

Werner Ulrich, Ehrenmitglied des Cavalo Lusitano Switzerland (CLS) belegte im Oktober 2010 mit seinem Lusitano-Vierergespann von der Coudelaria da Herdade das Figueiras an den Weltreiterspielen in Lexington/Kentucky USA den 12. Rang in der Gesamtwertung. Nicht nur in Kentucky setzt der erfolgreiche Gespannfahrer auf Lusitanos. Wir haben nachgefragt, wie er auf die Rasse aufmerksam wurde.

CLS: Herr Ulrich, seit wann fahren Sie mit Lusitanos und wie wurden Sie auf die Rasse aufmerksam?

Werner Ulrich: Ich fahre seit 2007 mit Lusitanos. Der Züchter Antonio Simões des Gestüts „Herdade das Figueiras“ in Portugal kennt mich vom Turnierfahren und fragte mich an, ob ich seine Pferde ausbilden und an Turnieren präsentieren möchte. Ich habe zugesagt, da mich die Pferde interessierten.

CLS: Was fasziniert Sie an dieser Pferderasse und warum denken Sie, eignet sie sich insbesondere auch für den Fahrsport?

Werner Ulrich: Die Lusitanos sind mutige und willige Pferde. Sie haben einen sehr starken Charakter und sind vor allem auch sehr leistungsbereit. Trotzdem sind sie im Umgang sehr angenehm. Daher eignen sie sich natürlich auf für den Pferdesport ausgezeichnet.

CLS: Sie sind viele Jahre ausschliesslich Schweizer Warmblutpferde gefahren. Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen den beiden Pferderassen im Bezug auf die Ausbildung und den Wettkampfeinsatz?

Werner Ulrich: Die Lusitanos sind bis anhin kleiner als die Warmblutpferde. Die Züchter möchten aber vermehrt auch den Lusitano als Sportpferd züchten, d.h. in einem grösseren Stockmass, um mit den Warmblütern konkurrieren zu können. Mein grösster Lusitano derzeit im Gespann ist über ein Meter siebzig gross und der Kleinste rund 167 cm.

Ein weiterer Unterschied zu den Warmblutpferden ist, dass vier Lusitanos schwieriger in Einklang zu führen sind. Insbesondere in der Dressur. Hier bringen sie noch nicht dieselben Leistungen wie die Warmblüter. Denn sie sind einfach temperamentvoller und sobald sie ins Stadion kommen, ziehen sie sich auf und spannen sich an. Dann gehen sie in einer Haltung, die nicht gern gesehen wird. Dies obwohl sie draussen und im Training alles bestens machen und sich gut und locker bewegen. Aber eben, sobald wir dann in der Manege sind, heizen sie sich auf. An der Lockerheit vor dem Publikum müssen wir also noch arbeiten.

Bild: Herbert Gross

Bild: Herbert Gross

CLS: Sie sind einer der weltbesten Viererzug-Fahrer. Wie viele Pferde benötigen Sie, um einen Viererzug so erfolgreich im Sport einsetzen zu können?

Werner Ulrich: Um konstant zu sein, brauche ich fünf bis sechs Pferde. Sechs ist ideal. Im Moment habe ich vier. Zwei weitere fünfjährige Pferde werden derzeit vorbereitet und im Herbst kommen voraussichtlich zwei neue dazu. Die jungen Pferde werden laufend antrainiert und sobald möglich, zum Training dazu genommen. Meine Pferde im jetzigen Gespann sind zudem ziemlich miteinander verwandt: drei von ihnen stammen von der gleichen Mutter ab.

CLS: Ihre Lusitanos stammen aus demselben Gestüt in Portugal, der Herdade das Figueiras, die bekannt ist für die Zucht von Lusitanos, die zum Fahren geeignet sind. Stellt dieses Gestüt Ihnen die Lusitanos im Sinne eines Sponsorings zur Verfügung?

Werner Ulrich: Die Pferde werden mir zur Verfügung gestellt. Aber ich bilde sie selbst aus und stelle sie dann an den Prüfungen vor. Damit mach ich Werbung für das Gestüt, welches rund 20 Zuchtstuten hat und jährlich Fohlen zum Verkauf anbietet.

CLS: Sie haben aber auch andere Pferderassen im Stall. Wann setzen Sie welche Pferde ein?

Werner Ulrich: Ich habe noch ein zweites Gespann. Das setz ich beispielsweise für die Weltcupprüfungen im Winter ein. Denn diese Prüfungen gehen auf Tempo. Dafür wären die Lusitanos zwar ebenfalls prädestiniert, aber bevor wir nicht in der Dressur besser sind – d.h. also in der ruhigen Arbeit – möchte ich nicht, dass sie sich noch mehr aufheizen. Ich möchte zuerst mit den Lusitanos im Dressur besser werden und erst wenn sie sich das gewohnt sind und gut und ruhig gehen, in den rasanten Winter-Prüfungen einsetzen. Dieses Gespann besteht übrigens aus Warmblütern, einer Schweizer Traber-Stute und einem Lipizzaner. Zur kleineren Traber-Stute habe ich diesen Lipizzaner gefunden, der sehr gut passt.

Bild: Herbert Gross

Bild: Herbert Gross

CLS: Wie ist die Ausbildung eines Fahrpferdes? Gibt es zu Beginn, oder auch später, Trainingsphasen während denen das Pferd auch geritten wird?

Werner Ulrich: Ich reite sowohl Warmblüter als auch Lusitanos viel. Sie werden dressurmässig ausgebildet und auch Ausritte und Longieren gehören dazu. Ausserdem machen wir viel ruhige Arbeit im Schritt und trainieren den Gehorsam sowie Gelassenheit. Zudem achte ich im Training darauf, dass die Pferde immer motiviert sind.

CLS: Kommt es häufig vor, dass Sie ein Pferd nach einem Training von zwei, drei Jahren abgeben müssen, da es nicht für den Wettkampf geeignet ist?

Werner Ulrich: Es kommt schon vor, dass Pferde ausgewechselt werden müssen. Es kann vorkommen, dass ich nach drei Jahren feststellen muss, dass immer noch erst 80% der gewünschten Leistung da ist und sich ein Pferd einfach nicht eignet. Aber das kommt eher selten vor. Denn ich gebe den Pferden auch Zeit. Wenn ich auf Sieg gehen möchte, müsste ich die Pferde wohl schneller auswechseln. Ich kann aber gut warten. Ich habe ja schon sehr viel gewonnen. Und daher achte ich lieber darauf, dass die Pferde gesund bleiben.

CLS: Welches sind Ihre nächsten Ziele?

Werner Ulrich: Klar möchte ich mich dieses Jahr in den Top Ten klassieren, damit wir wieder im Weltcup teilnehmen können. Auch möchte ich an der Weltmeisterschaft 2012 wieder unter den Top 5 klassifiziert werden. Letztes Mal in Kentucky wurde es kritisch mit der Teilnahme, da kurz vor Abreise einer der Lusitanos erkrankte und dann in Kentucky selbst eines an einem Virus erkrankte. Nur mit Glück konnten wir dann schliesslich tatsächlich doch noch teilnehmen.

CLS: Vielen Dank Herr Ulrich für das interessante Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

 

Offizielle Vertretung des portugiesischen Stutbuches APSL

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